Achtsamkeit in Zeiten von Corona

Quelle: Tim Mossholder (www.unsplash.com)

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Wichtige Hinweise vorweg (Stand 13.3.2020): Ich bin natürlich keine Expertin bezüglich Corona-Virus oder der Erkrankung COVID-19. Mit diesem Artikel möchte ich meine persönlichen Gedanken und Ideen zu einem achtsamen Umgang mit den Veränderungen im gesellschaftlichen und persönlichen Leben teilen. Da ich außerdem gesund bin, keine Kinder und ältere oder kranke Angehörige zu pflegen habe, entspringt meine subjektive Darstellung auch einer privilegierten Ausgangslage. Ich hoffe dennoch, dass sich von den Worten und den verlinkten Ressourcen vielleicht auch andere Menschen angesprochen fühlen. In diesen Zeiten bin ich sehr dankbar, dass es Expertinnen und Experten sowie viele Menschen im medizinischen Bereich und der Pflege gibt, die sich unermüdlich dafür einsetzen, korrekte Informationen zu verbreiten und wichtige Maßnahmen zu setzen, damit wir so gut und sicher wie möglich durch diese Krise kommen. Wer Informationen sucht, wendet sich bitte an Quellen mit der entsprechenden Expertise. Hier befinden sich allgemeine Informationen zum Corona-Virus und der COVID-19 Erkrankung. Bei Fragen kann auch die Info-Hotline 0800-555-621 angerufen werden. Die aktuell notwendigen Maßnahmen werden über die Ministerien und die Regierung geteilt.

Momentan erleben wir besondere Zeiten, die jede*n auf die eine oder andere Weise beschäftigen. Im öffentlichen wie auch im privaten Leben müssen wir uns gerade auf einige Veränderungen einstellen, um die Verbreitung des Coronavirus und der COVID-19 Krankheit einzudämmen. Eine bewusste und achtsame Lebensweise sowie ein sorgfältiger Umgang mit unseren eigenen Ressourcen und mit denen unserer Mitmenschen, ist meines Erachtens nach momentan wichtiger als je zuvor.

Ich habe in den letzten Tagen meine Gedanken und mein Verhalten beobachtet und auch reflektiert, wie ich in Zukunft gut mit den Veränderungen leben möchte. Meine Ideen dazu sind auch entstanden, da ich teilweise meine eigenen Fehleinschätzungen und ungesunden Verhaltensweisen erkannt habe (Spoiler Alert: Alle fünf Minuten die News zu checken, ist nicht gerade förderlich für das eigene Wohlbefinden…). Ich wurde inmitten von ungemütlichen Gefühlen wie Unsicherheit und Angst auch wieder daran erinnert, warum ich eine Meditations- und Achtsamkeitspraxis übe und was ich bereits über mentale Gesundheit und ein bewusstes Leben gelernt habe. Im Zuge dieser Überlegungen habe ich ein paar Vorschläge zusammengetragen, die mich (und vielleicht auch dich?) aktuell dabei unterstützen können, die notwendigen Veränderungen im Alltag etwas leichter zu gestalten und den Herausforderungen in einer Krise mit Achtsamkeit zu begegnen.

1) Erforschen der Angst und Lenken der Aufmerksamkeit

Wenn wir mit etwas Bedrohlichem konfrontiert sind, ist es normal, Angst zu haben. Unser Gehirn ist dafür ausgerüstet, Gefahren zu suchen. Schrille Schlagzeilen und alarmierende Nachrichten tun hier ihr Übriges. Es ist zwar unbedingt notwendig, die drastisch wirkenden Vorsichtsmaßnahmen bezüglich Hygiene und Social bzw. Physical Distancing zu befolgen und nicht zu verharmlosen (Hier ein Artikel zu Exponentiellen Wachstum).

Von der Angst überwältigt zu werden oder gar in Panik auszubrechen und unüberlegte Handlungen zu setzen, ist jedoch selten eine gute Sache. Genau hier können wir Achtsamkeit üben und kurz innehalten, um von einem voreiligen Reagieren auf Angstimpulse (React) zu einem besonnenen Verhalten (Respond) zu gelangen.

Wann immer Angst, Nervosität und Unsicherheit aufkommen, können wir anhalten und nachforschen: Wie fühlt sich gerade mein Körper an? Kann ich meine Beine am Boden spüren? Wo bin ich jetzt gerade, was kann ich um mich herum wahrnehmen? Sobald sich die Gedanken etwas beruhigen und wir die Aufmerksamkeit von etwaigen Triggern zu anderen Bereichen wandern lassen (Körperempfindungen, Sinneseindrücke, Objekte im Außen…) können wir vielleicht schon wahrnehmen, dass Angstgefühle und Nervosität oft nur flüchtige Erfahrungen sind und sich ständig verändern und auflösen können.

Neben Achtsamkeit können wir auch auf andere Weise Ruhe und Entspannung finden. Wenn möglich können wir einen Spaziergang im Park oder in den nahe gelegenen Wäldern machen und uns von der Natur beruhigen lassen. (Naturgeräusche wie in diesem Video helfen übrigens auch, das kannst du hier nachlesen). Und wir können mit ruhigen Freund*innen und Familienmitgliedern sprechen, die uns helfen, mit unserer Angst und Unsicherheit umzugehen.
Edit am 15.03.2020: Für psychologische Hilfe in dieser außergewöhnlichen Belastungssituation hat @fraufrasl auf Instagram einen sehr informativen Post geschrieben. Auch die Psychosozialen Dienste posten im Zuge der #darüberredenwir Kampagne wertvolle Informationen auf Facebook. Im Notfall können Wiener*innen sich dort auch an den 24h Notdienst wenden: 01/31330.

2) We are all in this together

Die Virenverbreitung zeigt auch, dass uns Menschen viel mehr eint, als trennt. Wir alle möchten gesund und in Freiheit leben können. Wenn wir uns an die Vorsichtsmaßnahmen halten, schützen wir nicht nur uns selbst, sondern sorgen vor allem für den Schutz unserer Mitmenschen, die vielleicht durch Krankheit oder Alter schon verletzlicher sind. Mit diesen Gedanken der Solidarität können wir möglicherweise mehr als je zuvor die Verbundenheit zwischen uns allen auf diesem Planeten erkennen.

Krisen neigen auch entgegen der landläufigen Meinung sogar oft dazu das Beste in Menschen hervorzubringen. Zusammenarbeit und Mitgefühl ist nun besonders von uns allen gefragt. Ermutigende Beispiele sind die #nachbarschaftschallenge und die 24h Hotline der Stadt Wien, wo ältere Wiener*innen unter der Nummer 01/4000-4001 Angestellte der Stadt Wien erreichen, die ihnen benötigte Medikamente und Lebensmittel nach Hause bringen. (In diesem Artikel findest du vier Möglichkeiten, wie wir mehr Altruismus im Kampf gegen das Virus fördern können.)

Das Gefühl von gemeinsamer Menschlichkeit, hilft uns sogar dabei mehr Mitgefühl für uns selbst zu erlangen. Es ist einer der drei Kernaspekte bei der Entwicklung von Selbstmitgefühl. Außerdem wichtig ist Fürsorge und Freundlichkeit gegenüber sich selbst und Achtsamkeit, um Dinge zu erkennen und anzunehmen, wie sie jetzt gerade sind.

3) Ich grüße und sehe dich

Auch wenn wir uns momentan nicht mehr die Hände schütteln oder umarmen sollten, können wir uns mit der Namasté Grußgeste begegnen. Dabei legen wir die Handflächen aneinander vor der Brust, sehen unserem Gegenüber in die Augen und können uns auch kurz verbeugen. So drückt man Respekt aus und erkennt die Anwesenheit des Gegenübers dankbar an. Mir gefällt diese Geste auch besonders, da sie ein bewusstes Sehen und Erkennen meines Gegenübers darstellt und in diesem Sinne auch wiederum das Gemeinsame von uns allen bekräftigt (Namasté bedeutet wortwörtlich Ich verbeuge mich vor dir“ bzw. „Ich grüße das Göttliche in dir“.)

4) Bewusste Zeit zu Hause

Eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, ist die Einschränkung von physischen Sozialkontakten. Wir werden also in nächster Zeit, viele unserer Freizeit- und Arbeitsaktivitäten in die eigenen vier Wände verlegen. Mittlerweile stehen uns zum Glück viele Möglichkeiten zur Verfügung, um zB online in Kontakt zu bleiben, Arbeiten zu erledigen und Inhalte zu konsumieren. In den kommenden Wochen wird sich das wohl noch intensivieren, daher haben wir nun eine Chance bewusst zu entscheiden, wie wir diese Zeit nützen. Ich finde es sehr wichtig, immer wieder zu reflektieren, wo und wie wir Informationen gewinnen. Es gibt leider bereits viele Fake-News und selbsternannte „Corona-Expert*innen“, die hauptsächlich zu Verwirrung beitragen. Wenn wir also täglich informiert bleiben wollen, sollten wir gezielt Wissen von vertrauenswürdigen Quellen holen.

Da nun viele Veranstaltungen abgesagt werden, Universitäten, Schulen und Kunst- und Kultureinrichtungen geschlossen haben, ist vielleicht auch eine gute Zeit gekommen, um sich Bildung, Kunst und Kultur nachhause zu holen. Wir können uns online weiterbilden (zB Udemy, Coursera, TED Videos etc.), Bücher lesen, Podcasts hören, Tagebuch schreiben, Spiele auspacken, malen etc. Auch bei den Sozialkontakten können wir kreativ werden: Wie wäre es mit einem Online-Treffen mit Freund*innen oder der Familie? (zB über Skype oder Zoom).

5) Rituale, Routinen und Verschnaufpausen

Gerade in Zeiten, in denen wir Unsicherheit in uns und rundherum wahrnehmen, helfen kleine Rituale und Routinen als Anker im Tag. Das kann eine Praxis oder eine Aktivität sein, die deinem Leben etwas Bekanntes und Verlässliches verleiht. Die Kraft von Ritualen und Routinen kommt aus der einfachen Tatsache, dass sie immer da sind. Sie sind erdende Erfahrungen, zu denen man immer zurückkehren kann, egal, was gerade passiert. Ihre Beständigkeit macht sie zu wirksamen Werkzeugen, um der Angst entgegenzuwirken, die durch ein Leben in unsicheren Zeiten und mit vielen Veränderungen entstehen kann. Rituale können zum Beispiel eine tägliche Meditationspraxis am Morgen oder am Abend sein. Ein Ritual kann aber auch eine Geschichte sein, die du deinen Liebsten vorliest oder der Kaffee, den du jeden Morgen genießt. Diese Momente, in denen wir uns bewusst einer Sache widmen, können auch besonders als Verschnaufpausen dienen.

Denn so wichtig es ist, informiert zu bleiben, brauchen wir auch immer wieder Pausen dazwischen, um abzuschalten und kurz aus dem Trubel auszusteigen. Es ist verständlich, sich ständig mit einem sehr präsenten Thema beschäftigen zu wollen und es auch zum Gegenstand jedes Gesprächs werden zu lassen. Doch wenn wir dies ohne Unterbrechung tun, benötigen wir viele unserer inneren Ressourcen und auch die unserer Mitmenschen. In stressigen Phasen ist es daher umso wichtiger, sich und andere immer wieder daran zu erinnern, Pausen zu machen, um wieder Kraft und Energie zu sammeln. Du kannst zum Beispiel mit dir und deinen Mitmenschen vereinbaren, beim Mittagessen über andere Themen zu sprechen oder keine News vor dem Schlafen gehen zu konsumieren.

6) Neue Gewohnheiten als Achtsamkeitsübung

Wenn wir uns die Hände nun öfter und länger waschen, können wir dabei nicht nur jedes Mal zwei Happy Birthday Ständchen singen, sondern diesen Moment auch immer mal wieder als Achtsamkeitstraining nützen: Wir können spüren welche Temperatur das Wasser auf der Hand hat; auch den Geruch und die Textur der Seife können wir wahrnehmen; wir berühren jeden einzelnen Finger und die Haut zwischen den Fingern; beim Abtrocknen spüren wir den Kontakt von Papier oder Stoff auf der Haut; nach dem Waschen bemerken wir vielleicht ein Kribbeln und ein Gefühl von Frische bis in die Fingerspitzen (oder es ergeht uns so).

Wenn wir achtsam bleiben können wir auch feststellen, wie oft wir unser Gesicht berühren. Normalerweise machen wir das mehrmals pro Stunde, wobei es leider passieren kann, dass wir einen Virus von den Händen auf unsere Augen, Nase oder unseren Mund übertragen. Wir können es uns also zur Gewohnheit machen, unser Gesicht nicht zu berühren. Auch in der Meditation üben wir, Bewegungsimpulse wahrzunehmen und diesen nicht sofort nachzugeben. Diese Übung kann uns hierbei eine große Hilfe sein. Im Alltag kann das dann aber doch auch mal etwas schwierig werden wie hier oder hier 😀

7) Humor und Ernsthaftigkeit

Die Verbreitung des Coronavirus und COVID-19 als Krankheit, die dadurch ausgelöst wird, sind ernste Themen. Eine Verharmlosung oder die Vorsichtsmaßnahmen auf die leichte Schulter zu nehmen, halte ich für eine schlechte Idee. Nichtsdestotrotz sind schwierige Zeiten um einiges leichter zu ertragen, wenn man den Humor nicht verliert. Mit den unzähligen Memes und Witzen, die mittlerweile schon herumschwirren, haben sich bei mir bereits einige nervöse Momente in Lachen aufgelöst. Hier ein paar meiner Favoriten: (Achtung dafür ist ein bisschen schwarzen Humor nötig) Die Tagespresse, The Cure, A Sudden Urge to Travel

Ein bisschen Hoffnung und viel Dankbarkeit

Bei all diesen Worten schwingt ein wenig Hoffnung mit, dass wir aus dieser Krise vielleicht auch etwas Gutes gewinnen können; dass wir uns an unsere gemeinsame Menschlichkeit und Verbundenheit auf dem Planeten erinnern und so auch anderen globalen Krisen mit mehr Klarheit begegnen können und dass wir uns mit unseren Ängsten auseinandersetzen, um einen anderen Umgang mit vorschnellen Urteilen und angstgesteuerten Handlungen finden.

Zu guter Letzt möchte ich noch meine tiefe DANKBARKEIT ausrichten an alle Supermarktkassierer*innen, Apotheker*innen, Pfleger*innen, Ärztinnen und Ärzte, Müllmänner und *frauen, Politiker*innen, Polizist*innen, Obdachlosenhelfer*innen, Soldat*innen, Sanitäter*innen, Lehrer*innen und allen weiteren Menschen, die in dieser anstrengenden Zeit besonders intensiv für unsere Gesundheit, Sicherheit und Grundversorgung arbeiten.

Erwähnte Quellen:

Weiterführende Quellen:

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