Warum Neugierde deine Superkraft ist

Diesen Blogpost gibt es auch als Podcast-Folge zu hören, inklusive einer passenden Übung zum Mitmachen. Neugierde als Superkraft hat viel mit Achtsamkeit zu tun. Zu Beginn dieses Beitrages möchte ich gerne eine mögliche Definition von Achtsamkeit teilen, die Neugierde bewusst mit einbezieht: Cory Muscara beschreibt Mindfulness als „The practice of being with vs. in an experience in a way that is spacious, curious and heartfelt.“ In dieser Definition von Achtsamkeit ersetzt er bewusst den Aspekt des „Nicht-Urteilens“ mit Neugierde. Es kann passieren, dass wir uns in der Meditation oder Achtsamkeitsübung die eigenen Urteilen bewusst machen und diese dann wiederum beurteilen, weil sie nicht in unsere Vorstellung von Achtsamkeit passen. Wenn wir jedoch einfach neugierig bleiben und vielleicht sogar ein wenig Humor mitbringen, wirkt vieles gleich leichter.

Was ist Neugierde?

Für mich ist Neugier eine Kombination aus Interesse mit Aufmerksamkeit und Lebendigkeit. Damit meine ich die Entdeckerfreude und nicht unser Bedürfnis nach Gossip, Klatsch und Tratsch. Das hat zwar auch eine gewisse Berechtigung sowie Sinn und Zweck, aber das ist ein anderes Thema. Neugierde holt uns oft aus unseren Trance-Zustand, den bekannten Autopilot-Modus. In diesem verfallen wir oft wenn wir unserer täglichen Routine nachgehen und wir glauben, wir wissen schon genau aus Erfahrung wie etwas funktioniert bzw. wir kennen es in und auswendig. Bei diesen Tätigkeiten passen wir gar nicht mehr richtig auf und unsere Wahrnehmung wird oft sehr schleierhaft.

Facetten der Neugier

Wenn wir jedoch immer wieder unsere Neugierde aufwecken, können wir auch erkennen, dass nichts gleich bleibt und alles in ständiger Veränderung ist. Tatsächlich ist jeder Moment einzigartig. Wenn wir Kinder beobachten, bekommen wir eine Idee, wie sie die Welt anders wahrnehmen. Für Kinder ist ja vieles noch tatsächlich neu und Tätigkeiten werden oft erst gelernt. Es ist so schön zu beobachten, wie Kleinkinder oft jedes noch so kleine Fussel in die Hand nehmen und von allen Seiten begutachten. Später wenn sie dann älter werden fangen Kinder an auch mit der Sprache alles in Frage zu stellen. Um das vierte Lebensjahr herum erreicht dieses Fragestellen einen Peak und Kinder stellen bis zu 60 Fragen pro Stunde. Erwachsene im Vergleich stellen nur mehr ca. 5 Fragen pro Stunde.

Eine neugierige Haltung und Interesse können uns auch dabei helfen, mit Fehlern die wir machen oder scheinbaren Unzulänglichkeiten, die wir an uns wahrnehmen, leichter umzugehen. So können wir diese Wahrnehmungen eher als Möglichkeiten und Lernfelder sehen. Neugier hat für mich etwas Öffnendes und ist auch eine Haltung, die der Angst etwas den Schrecken nehmen kann. Wenn wir neugierig sind, übertrumpft dies in vielen Situationen die Angst.

Wie können wir Neugierde kultivieren?

  1. Entdecke Routinetätigkeiten neu: Versuche doch mal bewusst Achtsamkeit, also Offenheit und Neugierde in eine Tätigkeit zu bringen, die du sonst eher automatisch durchführst. Du kannst zum Beispiel deine Zähne putzen, als hättest du es vorher noch nie gemacht.
  2. Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst auf die kleinen Dinge im Alltag: Vielleicht gehst du täglich den gleichen Weg nach Hause. Stelle dir beim nächsten Mal vor, du wärst ein Kind, ein Alien oder jemand aus einer anderen Zeit. Was fällt dir auf, was dir sonst in deinem Alltag noch nie aufgefallen ist?
  3. Experimentiere und probiere was Neues aus: Ob du ein komplett neues Gericht kochst, außergewöhnliche Musik hörst oder einfach mal Tätigkeiten mit der linken statt mit der rechten Hand ausführst, lass dich von dem überraschen, was diese neuen Erfahrungen in dir auslösen. Versuche auch hier dem Unerwarteten offen zu begegnen und nimm wahr wenn du eine dir bekannte Erklärung über die Erfahrung stülpen magst.
  4. Mach dir deine Bias bewusst: Diese Erklärungen, die wir schnell parat haben können auch in Vorurteile münden. Der Begriff „Confirmation Bias“ also Bestätigungsfehler beschreibt die Beobachtung, dass man Informationen bevorzugt, die mit den eigenen früheren Ansichten übereinstimmen. Ein weiterer Bias wäre zB der negativity bias, der umschreibt die menschliche Tendenz Negatives mit größerem Gewicht und langanhaltender einzuschätzen.
  5. Bleib aufmerksam in Beziehungen: Auch in Gesprächen können wir Neugier üben, indem wir unserem Gegenüber aufmerksam zuhören. Insbesondere in langjährigen Beziehungen, sei es nun Partnerschaften, Freundschaften, Familie können wir uns fragen, was wir in den Menschen, die wir schon seit X Jahren kennen, Neues entdecken können.
  6. Stelle Fragen: An dich selbst, an deine Mitmenschen, ans Leben. Fragen stellen hat auch oft mit Mut zu tun. Nimm diese Momente wahr, wenn du eine Frage stellen möchtest, und Unsicherheiten, sozialer Druck, Angst usw auftauchen.
  7. Meditiere: Zu guter Letzt möchte ich hier noch dezidiert die formale Meditationspraxis erwähnen. Sich bewusst mit einer neugierigen Haltung aufs Kissen zu setzen kann soviel Erleichterung in die Praxis bringen. Wir können Erwartungen wie Ruhe und Gelassenheit leichter loslassen. Auch während der Meditation helfen uns Phrasen, die wir uns im Geiste vorsagen wie „hm interessant“ auch mit herausfordernden Emotionen umzugehen und sie als interessante Phänomene wahrzunehmen,

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